»DER BEHANDLUNGSERFOLG KANN SICH VON PATIENT ZU PATIENT UNTERSCHEIDEN. MEDIZIN IST EINE NATURWISSENSCHAFT UND WIR MÜSSEN VIELE RAHMENBEDINGUNGEN MIT EINFLIESSEN LASSEN«

Aus Eigeninitiative handeln

 

Das geplante Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenkes, die Behandlung einer Lungenentzündung oder eines Schlaganfalls, Wiederbelebungen nach einem Herzinfarkt oder das Richten eines hüftgelenksnahmen Bruchs des Oberschenkels nach einem Sturz – so vielfältig wie die Erkrankungen sind auch die Behandlungen, die in den Asklepios Kliniken durchgeführt werden.

 

 

 

Das Ziel ist eine qualitativ hochwertige Behandlung. Allerdings gibt es nicht für jede Therapie ein etabliertes Qualitätssicherungsverfahren. Wie beispielweise bei der Weiterbehandlung von Patienten nach einem akuten Schlaganfall, der Neurologischen Frührehabilitation. Dann ist die Eigeninitiative der Experten gefragt. Wie können hier Aussagen zur Behandlungsqualität getroffen werden?

 

Teilweise gelten bereits vorhandene Qualitätssicherungsverfahren, wie in der Anästhesie, nur für einzelne Bundesländer. Für die Hamburger Asklepios Kliniken ist eine Befragung der Patienten zur Zufriedenheit mit der Aufklärung und der Narkose verpflichtend. Für alle Asklepios Kliniken gilt jedoch der gleiche Anspruch: Wir wollen Behandlungsqualität auf hohem Niveau bieten. Was liegt also näher, als die Verfahren auszuweiten. Aus Eigeninteresse beteiligen sich daher weitere Asklepios Kliniken an dem Qualitätssicherungsverfahren.

 

Medizinische Behandlungsverfahren entwickeln sich weiter. So wie in der Urologie, wo lasergestützte Behandlungsverfahren ganz neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen. Die Frage, die sich stellt: Bietet das neue Verfahren die Qualität, die man sich davon verspricht?

 

Den Anstoß zur Weiterentwicklung der Qualitätssicherung geben meist einzelne Ärzte. An der konkreten Entwicklung und Erprobung sind dann Experten aus mehreren Kliniken beteiligt. Ob die Erkenntnisse den Dokumentationsaufwand rechtfertigen, neue Behandlungsmethoden Vorzüge mit sich bringen und konzernweit umgesetzt werden sollen, bewerten bei Asklepios Expertengremien, die Medical Boards.

 

Medizinische Fachgesellschaften, wie die Deutsche Gesellschaft für Anästhesie und Intensivmedizin (DGAI) und dieDeutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DVI), haben eigene Qualitätssicherungsverfahren entwickelt. Die Teilnahme an diesen Verfahren ist freiwillig und zugleich im Interesse aller auf einer Intensivstation tätigen Mitarbeiter. Machen wir das, was wir tun auch gut? Was können wir von Anderen lernen? Da das Verfahren zur Einschätzung der Qualität auf Intensivstationen die Experten des Medical Board Anästhesie und Intensivmedizin überzeugt hat, empfehlen sie ihren Fachkollegen in den Asklepios Kliniken eine Teilnahme. Zahlreiche Abteilungen folgen dieser Empfehlung.

 

Gleiches gilt auch für eine Initiative der Universität Jena, die Initiator des Projektes QUIPS ist. QUIPS steht für Qualitätssicherung in der postoperativen Schmerztherapie. Im Mittelpunkt steht die Einschätzung des Patienten zur Schmerzbehandlung nach Operationen. Die Asklepios Kliniken beteiligen sich seit Jahren und „quipsen“. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, sich mit anderen zu vergleichen, um besser zu werden und die postoperative Schmerztherapie zu optimieren.

 

Einige Ansätze zur Sicherung und Weiterentwicklung der medizinischen Behandlungsqualität möchten wir auf den folgenden Seiten näher betrachten.

 

 

ENTWICKLUNG: QUALITÄTSSICHERUNG IN DER NEUROLOGISCHEN FRÜHREHABILITATION

 

Ein Schlaganfall trifft die Betroffenen unvorbereitet und ist die häufigste Ursache einer dauerhaften Behinderung im Erwachsenenalter. Jedes Jahr erleiden in Deutschland rund 250.000 Menschen einen Schlaganfall. Jeder sechste Patient ist jünger als 45 Jahre.

Die Möglichkeiten der Vorbeugung, Früherkennung, Akutbehandlung und Rehabilitation haben sich in den letzten Jahren stetig verbessert. Trotz aller Fortschritte ist dennoch nach einem Schlaganfall mit bleibenden Ausfällen vieles anders. Das Körpergefühl, die Mobilität oder auch die Partnerschaft verändern sich.

Während der Behandlung des akuten Schlaganfalls (Phase A), in einer Stroke Unit oder auf einer Intensivstation, geht es insbesondere darum, lebenswichtige Körperfunktionen wie die Atmung und den Kreislauf zu sichern. Bereits hier wird mit der Rehabilitation begonnen. Die Betroffenen sollen verlorene Fähigkeiten wiedererlangen.

An die Akutbehandlung der Schlaganfallpatienten schließen sich mehrere Rehabilitationsphasen an. Patienten mit schweren, bleibenden Behinderungen werden direkt in eine Frührehabilitation (Phase B) überwiesen. Behandlungsziele sind die Entwöhnung von der maschinellen Beatmung, eine weitere Stabilisierung von Herz, Kreislauf und Atmung und eine Steigerung der Mobilität.

Während es zur Akutversorgung von Schlaganfallpatienten eine Fülle von Daten gibt, die einen Rückschluss auf die Qualität der Behandlung erlauben, gibt es zum weiteren Verlauf der Behandlung nur wenige Informationen. Welche Fähigkeiten können wiedergewonnen werden, wieviel an Mobilität kann zurückgewonnen werden und verläuft die Behandlung ohne Komplikationen – Dies sind die Fragen, die sich hier stellen.

Eine Antwort auf diese Fragen zu finden, steht im Mittelpunkt eines gemeinsamen Projektes dreier Hamburger Asklepios Kliniken mit Frührehabilitationseinrichtungen. Die Asklepios Klinik Nord, die Asklepios Klinik Harburg sowie die Asklepios Klinik St. Georg haben im Jahr 2012 ein Qualitätssicherungsprojekt1 der Schlaganfallfrührehabilitation aufgelegt. Ein eigens entwickeltes Erhebungsinstrument erfasst seitdem neben den Basisdaten und den Begleiterkrankungen auch den Aufnahme- und Entlassungsstatus des Patienten sowie das Zeitintervall zwischen Schlaganfall und der Aufnahme in die Rehabilitation. Komplikationen im Behandlungsverlauf werden ebenso dokumentiert, wie die Behandlungsdauer und das Entlassungsziel. Für die Auswertung wurden bereits publizierte Qualitätsindikatoren der Schlaganfallrehabilitation aufgegriffen und ergänzt.

 

Aus diesem Register zur Schlaganfall-Frührehabilitation konnten Daten der ersten drei Jahre ausgewertet werden.

 

  • 818 Schlaganfall-Patienten mit einem medianen Alter von 72 Jahren wurden analysiert. Sie wurden im Median 34 Tage behandelt.
  • Der mediane Frühreha-Barthel-Index (FRBI)2 bei der Aufnahme lag bei minus 40 Punkten und bei Entlassung bei plus 25 Punkten. Ausfälle im Hinblick auf die Aktivitäten des täglichen Lebens konnten deutlich reduziert werden. Die Erreichungsgrade der Qualitätsindikatoren sind in der nachfolgenden Tabelle dargestellt.

 

 

Jeder 6.
der rund 250.000 Schlaganfall-Patienten pro Jahr ist jünger als 45 Jahre.

818
Schlaganfall-Patienten mit einem Durchschnittsalter von 72 Jahren wurden in den ersten drei Jahren ausgewertet.

Ergebnisse der Qualitätsindikatoren ³

Qualitätsindikator Anzahl der Patienten, die den jeweiligen Qualitätsindikator erfüllen
Leitliniengerechte Blutdruckeinstellung 72,3 %
Rückbildung Gedächtnisstörung 20,4 %
Rückbildung beaufsichtigungsp ichtige Schluckstörung 82,2 %
Rückbildung Depression 34,6 %
Rückbildung schwere Verständigungsstörung 61,5 %
Mobilitätsverbesserung 43,1 %
Verbesserung Armfunktion 21,2 %
Weiterführende institutionelle Rehabilitation 65,6 %
Tracheobronchitis oder Pneumonie 23,3 %
Entfernung Tracheostoma 76,3 %
Überlebensrate 95,0 %
Tage zwischen Eintritt Schlaganfall – Beginn der Frührehabilitation 10,0

Bemerkenswert sind die deutlichen Unterschiede im Erreichungsgrad der verschiedenen Qualitätsindikatoren, teilweise auch zwischen den drei Einrichtungen. Dies ermöglicht eine Verbesserung der Behandlungsqualität durch Analyse der „Best practice“.

 

„Die Ergebnisse der Erhebung spiegeln die Erfolge, die unsere Patienten unter hohem Eigeneinsatz und mit professioneller Unterstützung der Behandlungsteams in der Neurologischen Frührehabilitation erreichen, wider“ fasst Prof. Dr. Günter Seidel, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation in der Asklepios Klinik Nord, Hamburg, stellvertretend für sich und seine Fachkollegen aus der Arbeitsgemeinschaft Neurologischen Frührehabilitation der Hamburger Asklepios Kliniken4 das Ergebnis zusammen.

 

Das Projekt und seine ersten Ergebnisse stießen auch trägerübergreifend bei den Hamburger Kliniken mit neurologischen Frührehabilitationsabteilungen auf Interesse. Was als Initiative dreier Asklepios Kliniken begann, wird im Jahr 2017 zu einem hamburgweitem Qualitätssicherungsprojekt „Neurologisch-neurochirurgische Frührehabilitation“ führen. Es wird geschätzt, dass aus acht Kliniken jährlich ca. 1.300 Patienten in der Qualitätssicherung erfasst werden. So können die Erfolge aller Hamburger Kliniken mit neurologischer Frührehabilitation sichtbar werden. Gemeinsam können Maßnahmen für die Verbesserung noch nicht zufriedenstellender Ergebnisse entwickelt werden.

  

Zufriedene Patienten: Befragung nach der Narkose

 

Ein operativer Eingriff, sei es die Entfernung einer Gallenblase oder das Einsetzen eines Herzschrittmachers, löst bei vielen Patienten Unbehagen aus. Nicht nur vor dem Eingriff selbst, sondern auch vor der Narkose. Einige Patienten fürchten den Kontrollverlust, fühlen sich ausgeliefert, andere sorgen sich, dass sie doch etwas von dem Eingriff bemerken oder nicht wieder aufwachen. Diese Sorgen werden gemeinsam im Aufklärungsgespräch besprochen, ebenso wie der Umgang mit möglichen Schmerzen nach dem Eingriff.

Wie zufrieden unsere Patienten mit der Information über den Eingriff und der Narkose sind, ist einer der Indikatoren, der mit der „Postnarkotischen Befragung“ ermittelt wird. Alle Hamburger Kliniken sind dazu verpflichtet, zweimal jährlich eine entsprechende Befragung durchzuführen. Da die Befragungsergebnisse den Anästhesisten wertvolle Informationen zur Qualitätsverbesserung liefern, beteiligen sich neben den Hamburger Asklepios Kliniken die anderen Häuser der Asklepios Gruppe auf freiwilliger Basis an diesem Verfahren.

Die Patienten werden am Tag nach der Operation nach ihrem persönlichen Empfinden vor und nach der Narkose befragt. Die Ergebnisse spiegeln die Einschätzung der Patienten wider, unabhängig von der Art und Schwere des operativ durchgeführten Eingriffs.

Einzelergebnisse haben nur eine begrenzte Aussagekraft. Ein Vergleich von Ergebnissen über die Jahre (2013; 2015) ermöglicht es, einzuschätzen, ob sich die teilnehmenden Asklepios Kliniken kritisch mit ihren Ergebnissen auseinandersetzen und Verbesserungsmaßnahmen einleiten. Dies ist der Fall.

  

94 %
der im Jahr 2015 in den teilnehmenden Asklepios Kliniken stichprobenartig befragten Patienten sind mit der Behandlung durch das Narkoseteam sehr zufrieden und würden die Betreuung Angehörigen und Freunden weiterempfehlen5.

85 %
der operierten Patienten haben dem Eingriff ruhig und unaufgeregt entgegen gesehen und sich sowohl bei der Vorbereitung der Narkose wie auch nach dem Eingriff, im Aufwachraum, sicher und geborgen gefühlt6.

Präoperativ wenig Angst (in %)

»QUALITÄTSMESSUNG IST KEIN SELBSTZWECK: DIE ERGEBNISSE NUTZEN WIR, UM DIE ABLÄUFE UND DAS VORGEHEN AUF UNSEREN INTENSIVSTATIONEN ZU ÜBERPRÜFEN UND ZU VERBESSERN.«

Hohe Qualitätsanforderungen in der Intensivmedizin

 

Auf einer Intensivstation werden Patienten behandelt, bei denen lebenswichtige Funktionen des Körpers gestört sind. Auch Patienten die plötzlich schwer erkrankt sind, zum Beispiel an einer schweren Infektion oder nach großen Operationen oder schweren Unfällen, werden hier versorgt.

 

Eine qualitativ hochwertige Therapie ist hier besonders wichtig. Rund um die Uhr werden die Patienten auf der Intensivstation von einem Team aus speziell in der Intensivmedizin ausgebildeten Pflegekräften und Ärzten betreut. Die Behandlung kritisch kranker Patienten stellt hohe Anforderungen an die Prozesse und an das Zusammenspiel der beteiligten Ärzte, Pflegekräfte sowie weiterer Experten.

 

Die Fachgesellschaften für Intensivmedizin, die Deutsche Gesellschaft für Anästhesie und Intensivmedizin (DGAI) und die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DVI) sind Initiatoren eines Projektes zur Qualitätssicherung auf Intensivstationen. Bereits im Jahr 2010 haben diese Fachgesellschaften Indikatoren veröffentlicht, die eine qualitative Einschätzung der wichtigsten Vorgänge auf einer Intensivstation ermöglichen sollten.

  

Kernindikatoren für die Qualität von Intensivstationen

Indikator Was wird gemessen
Tägliche multiprofessionelle Visite mit Dokumentation von einem oder mehreren Tageszielen Ermittelt wird, ob täglich eine Visite durchgeführt wird, an der alle, auf der Intensivstation tätigen, Berufsgruppen teilnehmen und ob die dabei getroffenen Verabredungen protokolliert werden.
Überwachung der Medikation (z. B. Beruhigungsmittel, Schmerzmittel) Dieser Indikator zeigt auf, ob eine Überwachung der Medikamentengabe erfolgt.
Lungenprotektive Beatmung Die maschinelle Beatmung unterstützt oder ersetzt bei Patienten, die nicht selbstständig atmen können, die Atmung; sie kann selbst jedoch auch zu Schädigungen der Lunge führen. Bei einer lungenprotektiven Beatmung werden die Beatmungsdrücke und ­volumina begrenzt. So werden das Risiko eines Lungenschadens und der Sterblichkeit reduziert. Ermittelt wird, inwieweit die Kliniken eine lungenprotektive Beatmung durchführen.
Weaning und andere Maßnahmen zur Vermeidung von ventilatorassoziierten Lungenentzündungen Anzugeben ist, ob der Patient eigenständig atmen und von der Unterstützung des Beatmungsgerätes entwöhnt werden kann (Weaning). Ziel ist es, durch die Beatmung hervorgerufene (ventilatorassoziierte) Lungenentzündungen zu vermeiden.
Frühzeitige und adäquate Antibiotikatherapie Ermittelt wird, ob frühzeitig eine Antibiotikatherapie durchgeführt und diese während des Krankheitsverlaufes an die jeweils aktuelle Situation des Patienten angepasst wird.
Therapeutische Hypothermie nach Herzstillstand Nach Herzstillstand sollen komatöse Patienten gekühlt und die Temperaturreduzierung über einen Zeitraum von 12 bis 24 Stunden aufrechterhalten werden. Die Kühlung unterdrückt körpereigene Abläufe, die zu neurologischen Schäden führen und reduziert die Sterblichkeit. Anzugeben ist, ob bei Patienten nach Herzstillstand eine Therapeutische Hypothermie durchgeführt wird.
Frühe enterale Ernährung Als enterale Ernährung wird die Ernährung über den Magen­Darm­Trakt bezeichnet. Die Patienten erhalten die Nahrung über den Mund oder über eine Ernährungssonde. Diese Form der Ernährung reduziert das Risiko infektiöser Komplikationen und verkürzt den Aufenthalt auf der Intensivstation. Die Sterblichkeit von Patienten mit enteraler Ernährung ist niedriger als bei einer Versorgung über Infusionen (parenterale Ernährung). Ermittelt wird, wie häu g die Intensivpatienten enteral ernährt werden.
Dokumentation von strukturierten Angehörigengesprächen Erhoben wird, ob Gespräche mit Angehörigen geführt und die Gesprächsinhalte in der Patientenakte dokumentiert werden.
Händedesinfektionsmittelverbrauch Der Desinfektionsmittelverbrauch zeigt an, ob bei der Durchführung von ärztlichen und p egerischen Maßnahmen, regelmäßig eine Händedesinfektion erfolgt. So sollen Infektionen vermieden werden.
Strukturanforderungen, wie Leitung der Intensivstation durch einen Facharzt für Intensivmedizin etc. Anzugeben ist, ob die Strukturvorgaben Anforderungen an die personelle Ausstattung der Intensivstationen erfüllt werden.

Diese Kernindikatoren zur Qualitätsbeurteilung von Intensivstationen gelten für erwachsene Patienten in allen intensivmedizinischen Bereichen. Unabhängig davon, ob Patienten mit einem chirurgischen Krankheitsbild oder einer internistischen Erkrankung versorgt werden.

 

Qualitätssicherung ist kein Selbstzweck – gedacht sind diese Indikatoren als eine praktikable Hilfestellung. Die Ergebnisse sollen es den Ärzten und Pflegekräften der Intensivstationen ermöglichen, ihre Prozesse zu überprüfen und zu verbessern. Und das gelingt. Die Ergebnisse der Asklepios Kliniken (Mittelwert) liegen im Jahr 2015 jeweils oberhalb des von den Fachgesellschaften definierten Wertes für eine gute Behandlungsqualität (Referenzwert).

  

Ergebnis Intensivmedizin (in %)

Behandlungsqualität von ProstataEingriffen

 

In Hamburg haben Laserverfahren die klassischen Operationstechniken bei der Behandlung des gutartigen Prostatasyndroms (BPS) nahezu ersetzt. Durch den Lasereinsatz konnten – bei gleicher Effektivität – die Operationszeiten und der Krankenhausaufenthalt deutlich verkürzt werden. Beides kommt dem Patienten zugute.

 

Ausgewertet wurden Qualitätssicherungsdaten aus den fünf urologischen Abteilungen der Asklepios Kliniken Hamburg: Insgesamt mehr als 2.600 Fälle aus den Jahren 2011 bis 2014.

 

Das gutartige Prostatasyndrom ist eine Volkskrankheit, denn es betrifft mit zunehmendem Alter fast alle Männer. In Hamburg hat etwa jeder vierte Mann über 50 Jahre eine gutartig vergrößerte Prostata, es gibt somit rund 60.000 Betroffene alleine in der Hansestadt.

 

Auf den ersten Blick wirkt die Erkrankung wenig spektakulär, aber was scheinbar harmlos mit Problemen beim Wasserlassen beginnt, kann zu schweren chronischen Infektionen der Harnwege führen und die Nieren gefährden. Mit knapp 60.000 operativen Eingriffen pro Jahr in Deutschland, zählt die operative Therapie des BPS zu den häufigsten Operationen überhaupt. Die klassische Behandlungsmethode ist die sogenannte Schlingenoperation, bei der überschüssiges Gewebe mittels einer elektrischen Schlinge entfernt wird. Bei sehr großen Prostatae erfolgt sogar eine Operation mit Bauchschnitt. Neben den klassischen Verfahren werden seit einigen Jahren Laserverfahren eingesetzt. Hiermit lassen sich nicht nur offene Operationen mit Bauchschnitt vermeiden, sondern sogar Patienten behandeln, die gerinnungshemmende Medikamente einnehmen müssen.

 

Diese Verfahren haben in vergleichenden Studien ihre Wirksamkeit bewiesen. Die entscheidendere Frage ist allerdings, wie die Verfahren sich bei breiter Anwendung behaupten und, ob die Operation auch in der angestrebten Behandlungsqualität angeboten werden kann. Hierfür hat Asklepios schon vor Jahren ein internes Qualitätsmanagement etabliert das die Behandlungsqualität der unterschiedlichen Kliniken und Verfahren miteinander vergleicht und so den direkten Wissenstransfer besonders guter Ergebnisse fördert.

 

 

60.000
operative Eingriffe zur Behandlung des gutartigen Prostatasyndroms werden pro Jahr durchgeführt. Dies ist eine der häufigsten Operationen überhaupt.

Heraus kam, dass zwar alle Verfahren die Beschwerden der Patienten gebessert haben. Trotzdem fielen deutliche Vorteile für die Laserverfahren auf. So konnte mit dem Thulium-Laser mehr Gewebe in kürzerer Zeit entfernt werden, was zu einer deutlichen Verkürzung der Operationszeit führte. Beim Greenlight-Laser können sogar Patienten behandelt werden, die viele Nebenerkrankungen haben und bisher auf einen Katheter angewiesen waren. An der kurzen Behandlungszeit änderte sich auch bei Hochrisikopatienten nichts oder wenn Blutverdünner eingenommen werden mussten. „Die wenigsten unerwünschten Effekte traten mit dem Greenlight-Laser auf, während mit dem Thulium-Laser die nachhaltigsten Effekte erzielt werden können“, berichtet Prof. Dr. Torsten Bach, Harburg. Sein Fazit: „Insgesamt bestätigen die Ergebnisse, dass die Laserverfahren bei gleicher Effektivität schonender als die klassischen Verfahren sind und vor allem bei uns in Hamburg mit einer sehr guten Qualität angeboten werden können.“

 

Die Studie wurde gemeinsam von allen urologischen Chefärzten der Hamburger Asklepios Kliniken, Prof. Dr. Christian Wülfing (Altona), Prof. Dr. Andreas Gross (Barmbek), Dr. Stephan Tauber und Dr. Claus Brunken (St. Georg), Dr. Tobias Pottek (Westklinikum Rissen) und Prof. Dr. Thorsten Bach (Harburg) im gemeinsamen Forschungskompetenzzentrum Urologie und dem Konzernbereich Qualität der Asklepios Kliniken erstellt. Ausgewertet wurden die Behandlungsergebnisse von mehr als 2600 Patienten aus vier Jahren. Aufgrund der Ergebnisse und der beachtenswerten Größe der Stichprobe erzeugt die Studie auch international Aufmerksamkeit und wurde auf dem Europäischen Urologenkongress ausgezeichnet und in renommierten Fachmagazinen veröffentlicht. 

 

„Für uns ist das Interesse an dieser Studie ein großer Erfolg“, sagt Prof. Dr. Bach, Chefarzt der Urologischen Klinik des Asklepios Klinikums Harburg und Hauptautor der Studie. „Denn wir zeigen, dass die konsequente Messung unserer Behandlungsqualität für die wissenschaftliche Forschung genauso wichtig ist wie für das interne Qualitätsmanagement. Tatsächlich kommt es darauf an, Behandlungsqualität nicht nur zu fordern, sondern auch zu messen und durch konstruktiven Dialog zwischen den Medizinern zu fördern. 

 

Konsequenz der sorgfältigen Qualitätsmessung: In Hamburg werden 75 Prozent aller Patienten mit einem Laser behandelt.
  

75 %
aller Patienten werden mit dem Laserverfahren behandelt.


1) G. Seidel, D. Kücken, L. Eggers, K. Klose, R. Töpper, A. Majewski, E. Zukunft, U. Debacher: Qualitätsmanagement in der Frührehabilitation nach Schlaganfall – Deskriptive Analyse und Qualitätsindikatoren. Akt Neurol 2015; 42: 351–356

2) Der Barthel­Index ist ein Bewertungsverfahren zur Einschätzung der alltäglichen Fähigkeiten wie Essen und Trinken, Körperpflege, Mobilität und wird zur Einschätzung der Selbstständigkeit bzw. der Pfegebedürftigkeit genutzt. Beim „Frühreha­-Barthel-­Index“ (FRB) wird der Barthel-­Index durch weitere Kriterien aus dem Frührehabilita­tionsbereich ergänzt. Betrachtet wird beispielsweise die Notwendig­ keit von Beatmung oder ob Verständigungsprobleme bestehen. Angegeben wird der FRBI in negativen Punktwerten.

3) unter Ausschluss der verstorbenen Patienten (5% des Kollektivs [n=818])

4) 1. Arbeitsgemeinschaft neurologische Frührehabilitation der Hamburger Asklepios Kliniken: G. Seidel (1), L. Eggers (1), D. Kücken (1), E. Zukunft (2), R. Töpper (3), A. Majewski (3, 4), K. Klose (4), C. Terborg (5), I. Klass (5), U. Debacher (2)
(1) Neurologie und Neurologische Frührehabilitation, Asklepios Klinik Nord; (2) Konzernbereich Qualität, Asklepios Kliniken Hamburg GmbH; (3) Neurologie, Asklepios Klinik Harburg; (4) Frührehabilitation, Asklepios Klinik Harburg; (5) Fachübergreifende Frührehabilitation und Physikalische Medizin, Asklepios Klinik St. Georg

5) Konzernauswertung „Postnarkotischer Fragebogen“ Asklepios für das Jahr 2015; Auswertung durchgeführt durch die BQS-Hamburg

6) Konzernauswertung „Postnarkotischer Fragebogen“ Asklepios für das Jahr 2015; Auswertung durchgeführt durch die BQS-Hamburg